Ein Sommer im Naturpark by Florian Müller

Im vergangenen Jahr hatte ich die Möglichkeit im Zuge eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) sechs Monate für den Naturpark Drömling zu arbeiten. Da mein Arbeitsweg ziemlich weit gewesen wäre, ermöglichte mir die Naturparkverwaltung eine Unterkunft mitten im Naturpark. Dies hieß für mich zum einen ein ziemlich einsames Leben nach Feierabend und sechs Kilometer mit dem Rad zum Einkaufen, zum anderen aber auch ein sehr naturnahes und einfaches Leben. Trotz schlechten Telefonempfangs, fehlenden Internets und Fernsehens wurde es nie langweilig, schließlich gab es im Naturpark viel zu sehen und zu erleben. Die Reaktion meiner Familie und Freunde auf die Art meiner einfachen Unterkunft und meines Alltags war ziemlich einheitlich: „Das ist doch genau dein Ding!“.

Zu meinen Aufgaben während dieser Zeit gehörte die Kartierung von Greifvogelhorsten, Versorgung verletzter Greife, Umweltbildung mit Kindern und glücklicherweise auch die fotografische Darstellung des Naturparks.  Bei fast allen Arbeiten hatte ich meine Kamera im Gepäck.

Wenn ich an die Zeit zurückdenke, bringe ich den Drömling vor allem mit Bibern in Verbindung. Wegen der vielen Gräben, die den Naturpark durchziehen, stellt der Naturpark auch einen attraktiven Lebensraum dar. Da vom Menschen an sich keine Gefahr für Meister Bockert ausgeht, kann man die großen Säuger auch tagsüber recht gut beobachten. Wie wenig dort der Mensch als Bedrohung angesehen wird, bemerkte ich erst, als eines der Tiere direkt neben mir aus dem Wasser kam und zu fressen begann. Besonders amüsant war für mich in diesem Zusammenhang ein Teichfrosch, der es sich am frühen Nachmittag im Pelz eines schlafenden Bibers gemütlich gemacht hatte.

Wo Wasser ist findet man eine unglaubliche Vielfalt an Leben und leider konnte ich nur einen Bruchteil der im Drömling lebenden Arten festhalten. Sehr fesselnd war für mich auch die Metamorphose einer Smaragdlibelle, die ich von Beginn an beobachten und fotografisch dokumentieren konnte. Das ganze Schauspiel dauerte insgesamt gute dreieinhalb Stunden und war für mich eine faszinierende Premiere.

Bevor ich nun aber jede Begegnung niederschreibe und der Eintrag zu lang wird, lasse ich lieber die Bilder sprechen und zeige euch einen kleinen Einblick.

Für naturbegeisterte Leute und Gruppen kann ich den Naturpark und sein Informationshaus Kämkerhorst nur empfehlen. Schaut doch einfach mal auf der Seite der Naturparkverwaltung vorbei: www.naturpark-droemling.de. Meine Arbeit im Naturpark Drömling war für mich eine prägende Zeit, in der ich feststellen konnte, wie schön es auch ohne moderneMedien sein kann. Dafür war ich den kompletten Tag im Freien, konnte vieles erleben und sehen sowie mein Wissen weitergeben, um andere für die Natur zu begeistern. Eigentlich durfte ich genau das tun, was ich als Biologe und Naturfotograf bezwecken möchte.

Eine erfreuliche Überraschung im Weizenfeld by Florian Müller

Seit dem Fund der drei jungen Rohrweihen ist mittlerweile ein Jahr vergangen. Die jungen Greifvögel waren im letzten Sommer eines meiner fotografischen Highlights. Angefangen hat eigentlich alles mit einem Zufall.

Am 31. Juli 2015 kam bei uns ein Anruf vom Kollegen meines Schwiegervaters an. Am Telefon hieß es, dass vor dem Mähdrescher drei hühnergroße Vögel fliehen würden. Mit dem Rad ging es dann schnellstmöglich zum Weizenacker, wo die Maschinen bereits still standen. Beim Blick in die erste Fahrspur sahen wir bereits die ersten zwei Vögel. Das dritte Tier versteckte sich noch im dichten Korn. Erst im Feld stellte sich heraus, dass es sich bei den hühnergroßen Vögeln um junge Rohrweihen handelte. Der Drescher hatte das einfach gebaute Nest bereits erwischt. Nur dadurch, dass das Korn nicht stark staubte, konnte der Fahrer die Vögel entdecken und dementsprechend handeln.

Mit der zuständigen Vogelschutzwarte wurde eine Fläche von ca. 10x10m vereinbart um den Jungtieren noch genügend Schutz vor Fressfeinden zu bieten. Die beiden Landwirte auf dem Acker ließen jedoch rund 100x100m stehen und begründeten dies mit der Meinung: "Die Tiere brauchen ja auch ihren Platz. Leben und leben lassen." Eigentlich sollten sie noch am selben Abend beringt werden. Da der kontaktierte Beringer jedoch erst am nächsten Tag Zeit hatte, mussten wir den Termin auf den folgenden Tag verschieben.  Allerdings wollten meine Freundin und ich am 1. August morgens um 6 Uhr in Richtung Ruhrgebiet zu einer Hochzeit von Freunden aufbrechen. Also hieß es für mich um halb 5 Uhr morgens raus aus den Federn und auf den Beringer warten. Zusammen ging es dann wieder zum Weizenacker und wir schritten systematisch den Bestand ab, wir fanden leider nur zwei der drei Tiere. Nachdem die Weihen ausgemessen und beringt waren, bauten wir noch eine künstliche Nestkuhle für sie und ließen sie wieder allein. Für mich hieß es dann ab zur Hochzeit, raus aus den Arbeitsklamotten und ab in den Anzug.

Während der nächsten Tage statteten wir den Dreien in den Abendstunden ab und zu einen Besuch ab. Im Abendlicht fingen sie dann Tag für Tag an selbstständiger zu werden und starteten die ersten Flugversuche. Auch meinen Schwiegervater und seinen Kollegen sah man öfter, nach den eleganten Vögeln Ausschau haltend, am Ackerrand stehen. Kurz bevor die Jungvögel ausflogen berichtete auch die Regionalzeitung mit einem klasse geschriebenen Artikel über den Fund der beiden Landwirte.

Für mich war es eine besondere Erfahrung diesen wunderschönen Tieren so nahe zu kommen und sie beim Aufwachsen zu beobachten. Außerdem ist dieses Ereignis ein Beweis dafür, dass nicht alle Landwirte dem negeativen Image entsprechen. Es gibt auch jene Bauern, die sich für die Natur interessieren und auf sie achten. Letztendlich braucht jeder, Tiere und Menschen, Platz in unserer Umwelt.